Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an

Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos. Die

Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.

Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.

 

Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann. Drängt uns

nicht, so zu sein wie früher, wir können es nicht.

Denkt daran, daß wir in Wandlung begriffen sind.

Laßt euch sagen, daß wir uns selbst fremd sind.

Habt Geduld.

 

Wir wissen, daß wir Bitteres in eure Zufriedenheit streuen,

daß euer Lachen ersterben kann, wenn ihr unser

Erschrecken seht,

daß wir euch mit Leid konfrontieren, das ihr vermeiden möchtet

 

Wenn wir eure Kinder sehen, leiden wir.

Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen.

Wir haben die Sicherheit verloren, in der ihr noch lebt.

 

Ihr haltet uns entgegen: auch wir haben Kummer!

Doch wenn wir euch fragen, ob ihr unser Schicksal tragen möchtet, erschreckt ihr.

Aber verzeiht: unser Leid ist so übermächtig, daß wir oft

vergessen, daß es viele Arten von Schmerz gibt.

 

Ihr wißt vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken

sammeln können.

Unsre Kinder begleiten uns. Vieles, was wir hören,

müssen wir auf sie beziehen.

Wir hören euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.

 

Nehmt uns an, wenn wir von unseren Kindern und unserer

Trauer zu sprechen beginnen.

Wir tun das, was in uns drängt.

Wenn wir eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden

und einsam.

 

Laßt unsere Kinder bedeutend werden vor euch.

 

Teilt mit uns den Glauben an sie.

Noch mehr als früher sind sie eine Teil von uns.

Wenn ihr unsere Kinder verletzt, verletzt ihr uns.

Mag sein, daß wir sie vollendeter machen, als sie es waren,

aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.

Zerstört nicht unser Bild.

Glaubt uns, wir brauche es so.

 

 

Wie tief Dein Kummer auch sein mag,

Du bist nicht allein.

Andere waren schon dort

und werden die Last mit Dir tragen,

wenn Du sie nur lässt.

Gib ihnen dazu Gelegenheit.“

(Amy Hillard Jensen)

 

 

Vergänglichkeit

 

 Ein Jahr hat vier Jahreszeiten,

die uns immerzu begleiten.

Auch unser Leben ist durch vier gespalten

und können wir uns doch keines halten.

Im Frühling sind wir ein unerfahrenes Kind,

das lernen muss, sehr geschwind.

Doch diese unbeschwerte Zeit ist schnell vergangen

und werden wir im Sommer sehr befangen,

denn unser Körper durchlebt sehr viel.

Es ist bestimmt kein Spiel.

Der erste Kuss, die erste Liebe

und auch noch sexuelle Triebe.

Liebe, Lust, Last und Leid sind des Menschen Begleiter.

Das Leben steht nicht still, es geht unverdrossen weiter.

Der Herbst hingegen ist kein gern gesehener Gast,

weil er uns öfter fällt zur Last.

Weiterhin ist es nicht jedem gegeben,

den Winter seines Lebens zu erleben.

Meist kommt der Tod auf leisen Sohlen

ganz still und verstohlen.

Das Leben ist an einem vorbeigezogen,

die Seele in den Himmel geflogen,

ein Leben erloschen.

Damit ist der Kreislauf geschlossen.

 

(Astrid Halewyn 2000)

 

 

4 Texte von Sandra Kofski

Sandra ist 2002 im Alter von fast 16Jahren nach einer Herz-Operation verstorben

Ich ahne, dass etwas passiert, ob es wohl Wahrheit wird?
Das Licht ist hell, das nun erscheint,
wenn auch jemand in mir weint.
Ich sehe es für die Ewigkeit, da ist jemand (irgendwo) der ist für mich
bereit.
Glaubst du mir nicht? Schau er Sonne ins Gesicht und weine nicht.
Hörst du diese Stimme die dich ruft?
Sie gibt neue Kraft, die Leben schafft.....
Sie ist für dich da und das ist   w i r k l i c h   wahr.


 
 

 

Engel sind so rein wie Glanz der Sterne,
Engel leuchten hell auch in der Ferne.
Engel erleuchten uns hell,
Und lässt uns schlechte Gedanken vergessen schnell.
Engel bewachen die ganze Welt,
Von einem Engel aus das Glück auf uns fällt.
Lichterstrahlen und weiße Pracht,
Tag für Tag kommen sie und wünschen gute Nacht.
Weißt du welcher Engel bei dir ist ?
Immer der, den du vermisst.
Und wenn es einst übern Abgrund geht
ist es der, der vor dir steht.
Er hält dich fest und gibt dir Mut,
Und ist es auch der es beim nächsten Mal tut.
Ruhe und sternklare Nacht,
Ein Engel ist da was für dich wacht.

 

Verloren geglaubt!

Verloren geglaubt in der Dunkelheit,
Doch ganz nah in der Nacht scheint die Helligkeit.
Siehe da wie das Mondlicht ist nah,
In der Dunkelheit eingeschlossen, galt es war.
Im Sinne einer Selbst ist es leicht einzusehen,
Und die Welt draußen auch wirklich zu verstehen.
Ganz gleich welches Leid oder Unrecht geschah,
Der Mond ist uns allen nah.
Niemand kann ihn entflammen oder uns verwehren,
Verloren ist nie etwas, das will er uns lehren.
Glaube an das Sternen Licht,
Das auch im Winter die Wolken durchbricht.
Niemand kann ändern was Gott erschuf,
Es gibt Dinge die kann man nicht verlieren, höre
auf deinen inneren Ruf.
Alles was einmal angefangen, nimmt auch ein Ende
Doch gilt das für unsere Erde nur eine neue Wende.
Das was man glaubt sei noch da,
ist immer doch noch ganz nah.
Nur ist es führ unsere Augen unscheinbar.

 
Gedanken wie Wind aber hart wie Stein,
so streif ich durch die Nacht und bin allein.
Tausend Sterne werfen ihr Licht auf mich,
Ein Gedanke erinnert mich nur an dich.
Die Liebe die den Horizont berührt,
Die Dunkelheit die über den Abgrund führt.

 

Die Libelle

„Ich habe Sehnsucht nach oben. Ich versuchte, an der Wasseroberfläche nach dem zu schauen, was darüber ist. Aber meine Augen müssen wohl dafür nicht geeignet sein“,

sagte die Libellenlarve. Der Blutegel lachte. „O du Träumerin, du meinst, über dem Tümpel gibt es noch etwas? Der Tümpel ist die Welt – und die Welt ist ein Tümpel! Außerhalb davon ist nichts!“ – „Aber ich hab doch den Lichtschein gesehen und Schatten!“ – „Hirngespinste! Was ich fühlen und betasten kann, das ist das Wirkliche“.

Aber nicht lange danach schob sich die Libellenlarve aus dem Wasser heraus.

Flügel wuchsen ihr, goldenes Sonnenlicht und blauer Himmelsschein umspülten sie,

und sie schwebte schimmernd über den Tümpel davon.

 

 

Es war einmal eine sehr, sehr alte Seele, die sehr, sehr viele Menschenleben auf der Erde gelebt hatte und deren Dasein als Seele jetzt ebenfalls fast zu Ende war, ja, bald würde sie mit der EWIGKEIT verschmelzen und ein Teil davon werden.
Im Augenblick saß die alte Seele in der Leere zwischen ihrem letzten Menschenleben und ihrer künftigen VERSCHMELZUNG und fühlte sich ein wenig einsam. Ihre besten Freunde waren auf und davon, die alte Seele konnte sie unten auf der Erde sehen, wie jede von ihnen einen Menschen mit Eifer, Neugier und Staunen und den verschiedensten Gedanken erfüllte.
Ich will dorthin, sagte die alte Seele. Ich habe immer noch eine ordentliche Portion Freude übrig. Ich will dorthin und sie ihnen schenken.
Aber die Zeit, die dir vor der VERSCHMELZUNG bleibt, ist so kurz, warnte der WÄCHTER. Natürlich kannst du ihnen Freude schenken, aber wenn du nur so kurze Zeit bei ihnen bleibst, schenkst du ihnen zugleich eine große Trauer, wenn du sie verläßt.
Ich weiß, sagte die alte Seele. Aber ich will es trotzdem, Ich will ihnen so viel Freude schenken, dass sie ihnen danach über die Trauer hinweghilft.
Dann soll es so sein, wie du willst, sagte der WÄCHTER und schickte die sehr, sehr alte Seele los.
Daraufhin bekamen ein Mann und eine Frau auf der Erde ein Kind, das sie sich schon lange gewünscht hatten. Es war ein allerliebstes Kind, das ihnen vom Tag seiner Geburt an Freude bereitete, jene ungetrübte Freude, die die Menschen empfinden, wenn ihre Seelen einander begegnen und sich voller Entzücken aus der EWIGKEIT wiedererkennen.
Aber bleibt dir nicht nur wenig Zeit? flüsterte die Seele der Mutter der alten Seele in dem kleinen Mädchen zu.
Die Zeit ist kurz, aber die Freude ist groß, antwortete die alte Seele.
Und obwohl die Mutter dieses Gespräch nicht hörte, weckte das Geflüster eine ahnungsvolle Unruhe in ihr, einen Hauch des Wissens, dass wir nichts auf der Erde besitzen, einer den anderen nicht und nicht einmal uns selbst. Alles wird uns schließlich genommen werden, alles, was wir mit uns tragen, alle Lieben um uns herum, schließlich auch unser Leben und unser Körper.
Aber das Mädchen wuchs heran, und die Freude, die es verbreitete, war so groß, dass die Mutter diese Gedanken vergaß. Und der Vater freute sich ebenfalls. Ja, die sehr alte Seele durfte ihre letzte Zeit genauso verbringen, wie sie es sich gewünscht hatte.
Aber die Zeit war kurz, auch nach menschlichem Maß war sie kurz, und der Augenblick kam, da die VERSCHMELZUNG stattfinden würde. Die sehr, sehr alte Seele erhielt den Ruf, dass sie sich unverzüglich zur Zeremonie einfinden solle, und musste gehorchen.
Für die Menschen sah es so aus, als hätte ein plötzlicher Tod das Mädchen ereilt. Ihre Trauer war maßlos, genau wie der WÄCHTER es vorhergesagt hatte.
Und wo man früher die sehr, sehr alten Seelen ihr letztes Häppchen Zeit einfach in der Leere hat absitzen lassen, bürgerte sich von nun an in der EWIGKEIT die Sitte ein, dass die alten Seelen zu Menschen, die sie brauchten , geschickt wurden, um ihnen ihre letzte große Freude zu schenken. Die Freude gibt den Menschen die Kraft, die anschließende Trauer, die unausweichliche Trauer, zu ertragen und allmählich in etwas Gutes zu verwandeln.

(Ausschnitt aus dem Buch "Du fehlst mir, Du fehlst mir!" von Peter Pohl & Kinna Gieth

 

 

Ich habe geweint,                                                                                               
und alle sahen Lachtränen in meinen Augen,
weil ich nach außen hin lachte.
Ich habe geschwiegen,
und alle dachten, ich habe nichts zu sagen,
während es in mir schrie.
Ich habe geliebt,
aber ihr konntet es nicht wissen,
da ich nur Belangloses erzählte,
während in mir die Wellen der Liebe
an den Klippen der Angst zerbrachen.

 

 

Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Tränen.

Augustinus

WAS WISST IHR VON MIR


IHR GLAUBT ICH HÄTTE ES ÜBERWUNDEN
HÄTTE NEUEN LEBENSMUT GEFUNDEN
WAS WISST IHR VON MIR?
NICHTS!
ICH LEBE NICHT ICH FUNKTIONIER
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR

IHR LACHT UND SCHERZT UND ICH LACHE MIT
DENN DAS ERWARTET MAN DOCH
ABER WENN ICH ALLEIN BIN WEINE ICH IMMER NOCH
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR

IHR ERZÄHLT VON EUREN "KLEINEN SORGEN"
UND ICH TU SO ALS HÖRTE ICH ZU
ABER WÄHREND IHR WISST
DASS MAN ALL EURE PROBLEME LÖSEN KANN
GEHE ICH ZUM GRAB MEINES KINDES UND ZÜNDE KERZEN AN.
MEIN SCHMERZ IST SO GR0SS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR.

IHR SAGT DIE ZEIT HEILT ALLE WUNDEN
UND IRGENDWANN WIRD ALLES WIEDER GUT SEIN
DOCH ICH WEIß MEINE WUNDEN HEILT KEINE ZEIT
ICH WERDE NIE MEHR WIE FRÜHER SEIN
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR

IHR VERMEIDET DEN NAMEN MEINES SOHNES
WEIL IHR DENKT DASS MIR DAS KUMMER BRINGT
DOCH ER IST SOWIESO IMMER IN MEINEN GEDANKEN
NICHTS IST MIR WICHTIGER ALS DIE ERINNERUNG AN MEIN KIND
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR, NICHTS VERSTEHT IHR.

IHR SAGT "DASS LEBEN GEHT WEITER,
DAS IST DER LAUF DER ZEIT"
ICH WEISS NUR DASS ICH LEBEN MUSS, OBWOHL ICH ES NICHT WILL
KEINER FRAGT: "BIST DU DAZU BEREIT?"
MEIN SCHMERZ IST SO GROSS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR

DARUM NUR EINE BITTE
GEBT MIR KEINE RATSCHLÄGE WIE ICH LEBEN SOLL
LASST MICH EINFACH WIE ICH BIN
UND WENN ICH GEHEN WILL SO NEHMT ES HIN
MEIN SCHMERZ IST SO GR0SS
NICHTS WISST IHR VON MIR NICHTS VERSTEHT IHR
(Angelika Cammarata)

 

Steh nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort.
Ich schlafe nicht.
Ich bin in den tausend
wehenden Winden.
Ich bin der Diamant,
der im Schnee glitzert.
Ich bin das Sonnenlicht
über dem reifen Korn.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn Du in der morgendlichen Stille erwachst,
bin ich der Vogel,
der sich schnell in die Lüfte erhebt und zwitschert.
Ich bin der Stern,
der in der Nacht scheint.
Steh nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort.
Ich bin nicht tot.

Ich bin nicht tot
ich tausche nur die Räume
Ich leb in Euch
und geh durch Eure Träume

Denk Dir ein Bild. Weites Meer.
Ein Segelschiff setzt seine weissen Segel
und gleitet hinaus in die offene See.
Du siehst, wie kleiner und kleiner wird.
Wo Wasser und Himmel sich treffen,
verschwindet es.
Da sagt jemand: nun ist es gegangen.
Ein anderer sagt: es kommt.
Der Tod ist ein Horizont, und ein Horizont
ist nichts anderes als die Grenze
unseres Sehens.
Wenn wir um einen Menschen trauern,
freuen sich andere

 

Ich bin von Euch gegangen,
nur für einen kurzen Augenblick
und gar nicht weit
Wenn Ihr dahin kommt
wohin ich gegangen bin
werdet Ihr Euch fragen
warum Ihr geweint habt

Lao Tse

Der Tod hat keine Bedeutung-
ich bin nur nach nebenan gegangen.

Ich bleibe, wer ich bin,
und auch ihr bleibt dieselben zusammen.
Was wir einander bedeuten bleibt bestehen.

Nennt mich bei meinem vertrauten Namen.
Sprecht in der gewohnten Weise mit mir
und ändert euren Tonfall nicht!

Hüllt euch nicht in Mäntel aus Schweigen und Kummer-
lacht wie immer über kleine Scherze,
die wir teilten.
Wenn ihr von mir sprecht,
tut es ohne Reue ohne jegliche Traurigkeit.

Leben bedeutet immer nur Leben-
es bleibt bestehen-
immer- ohne Unterbrechung

Ihr seht mich nicht,
aber in Gedanken bin ich bei euch-
irgendwo, ganz in der Nähe-
nur ein paar Straßen weiter

Henry Scott Holland

 

Mut zu einem reichen, verwundbaren Leben

Herr,

irgendwann muss jeder von uns mit der Versuchung fertig werden,

eine Mauer um sein Herz zu bauen, die ihn schützen soll

vor den Verwundungen des Lebens,

vor Enttäuschung und Bitterkeit.

Irgendwann ist jeder von uns enttäuscht

von einer Liebe, von einer Freundschaft,

von einem Vertrauen, von einem Urteil,

von seiner Umwelt, von sich selbst ....

 

Wir sind in Versuchung, eine Mauer zu bauen um unser Herz,

das so verwundbar geworden, das verwundet worden ist.

Wir suchen Schutz und ziehen uns zurück:

Wer nichts riskiert, wird nicht enttäuscht ....

 

Unmerklich aber wird unser ganzes Leben zur Enttäuschung.

Wir können keine Mauern bauen,

die nur vor dem Schlimmen gewahren.

Mauern, die wir bauen, werden alles fernhalten:

mit dem Leid auch die Freude,

mit Ablehnung und Feindschaft auch Nähe und Freundschaft,

mit Enttäuschung auch alle Hoffnung.

 

Wenn wir das Unkraut vermeiden wollen,

müssen wir den Acker betonieren.

Wo aber wächst dann der Weizen?

 

Herr,

gib uns den Mut zu einem reichen, verwundbaren Leben

 

 

Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.
Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben,
etwas Falsches zu sagen.
Gesegnet seien alle,
die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen
Nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann,
was mich bewegt.
Gesegnet seien alle,
die mir zuhören,
auch wenn das,
was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.
Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.
Gesegnet seien alle,
die mich trösten
und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.

Marie-Luise Wölfing

 

 

Lebenslänglich

Trauern ist wie ein großer Felsbrocken.
Wegrollen kann man ihn nicht.
Zuerst versucht man,
nicht darunter zu ersticken,
dann hackt man ihn Stück für Stück kleiner,
und den letzten Brocken
steckt man in die Hosentasche
und trägt ihn ein Leben lang mit sich herum.


 
Ich werde leben,
solange Euer Herz schlägt.
Ich werde leben,
solange ich bei Euch einen Platz
im Herzen habe.
Ich werde leben,
solange Ihr Euren Weg geht.
Ich werde leben,
solange in Eurem Leben
ein Lächeln erscheint.
Wenn Ihr mich sucht, dann sucht in
Eurem Herzen.
Wenn Ihr mich dort findet,
dann lebe ich in Euch weiter.

(Milead A. Yousef Shalin)